“Schluss mit dem sexistischem Hartz IV und Alles für alle!” sagen die Antikapitalisten der CSU
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In meinem Viertel wird an den Häuserfronten viel gefordert. Einer fordert an der Wand einer Eckkneipe „Alles für Alle“ und man kann nur mutmaßen, dass sich dieser Appell nicht nur an den Wirt dieser Eckkneipe richtet.
Auf anderen Häuserfassaden wird dem Kapital der Kampf angesagt oder es wird „Schluß mit Hartz 4“ eingefordert. Den Schriftzügen zu Folge wählen die Häuser in meinem Viertel Herrn Gysi.
In Zeiten in denen Eva Hermann das klassische Frauenbild propagiert und die katholische Kirche von Gebärmaschinen und Herdpauschalen spricht, fühlt sich Gott sei Dank auch jemand sprühdosenmäßig bemüßigt, den Sexismus zu bekämpfen. Hier aber interessanterweise auf Englisch: Fight Sexism!
Würde ich eine Sprühdose mein Eigen nennen, dann stünde schon längst ein Fight Anglicism! daneben.
Und inmitten all dieser Appelle, die meistens gegen etwas sind, gegen Kapital, gegen Hartz 4 oder gegen Sexismus, fällt einem dann noch ein besonderer Schriftzug auf. Versteckt zwischen Handykartenautomat und Zigarettenautomat steht der rechtskonservative Imperativ: CSU wählen! , so als ob dies die Antwort auf alle anderen Forderungen wäre. Und ich dachte mir eigentlich nur, dass es jetzt also schon soweit ist, dass die Junge Union zur Sprühdose greift. Was kommt als nächstes: Die Linke wird zur Aktiengesellschaft und denkt renditeorientiert?
Naja, wohl kaum. Aber da nun auch das rechte Lager sich dem Häuserfassadenkampf widmet und der Weg von der Sprühdose zur Demonstration nicht weit ist, hat sich der linke Buchladen im Viertel in den Dienst der Aufklärung gestellt und im Schaufenster Verhaltens- und Grundregeln für Demonstrationen veröffentlicht.

Da ich diese für äußert hilfreich halte und diese Seite ja auch Wissen vermitteln möchte, fasse ich drei Tipps zur Demovorbereitung zusammen.
1. No Drugs.
Das Pamphlet meint hier sehr realistisch und montessori-pädagogisch: „Sei so fit, wie’s halt geht.“ Dies heißt, man solle „gut frühstücken, Shit und Alkohol daheim lassen“, denn das beeinträchtigt das Wahrnehmungsvermögen.
2. Gegen die Eitelkeit
„Eine Demo ist kein Spaziergang auch wenn’s oft so aussieht!“ Daher rät der Aushang dazu, Stöckelschuhe, Bollerwagen und den Wochenendeinkauf daheim zu lassen. Auch soll man auf Schminke, Cremes und Labello verzichten, da sich Tränengas in den Fetten besonders anreichert. Man merke: Man erkennt den Demoprofi an rauen Lippen.
3. Keine Datenbank
Wer hätte das gedacht, aber eine Demo „ist ein schöner Anlass, mal die Taschen nach Müll zu durchsuchen“. Der Verfasser des Aushanges verweist hier auf persönliche Sucherfolge, in denen er endlich „das Piece“ gefunden hatte. Das ist schön und gibt uns allen Mut.
Wichtig ist jedenfalls, ein Adressbuch und persönliche Aufzeichnungen daheim zu lassen. Generell sollte in diesem „Daheim“ - wenn überhaupt - nur ein Exemplar der gesammelten Werke der RAF liegen. Auch sollten Termine immer in einem Abreißkalender eingetragen werden. Und überhaupt sollte man „vor größeren Ereignissen (z.B. Revolutionen) Wohnung aufräumen.“ Ich vermute letzteres macht einen guten Eindruck auf den Haftrichter oder man vermeidet, dass das vermisste Piece in die Hände effektiv suchender Beamter gerät.
Diese Tipps sollte man jedenfalls im Hinterkopf behalten, wenn man das nächste Mal auf eine Demo gehen will. Oder man sollte es im Hinterkopf behalten für den Fall, dass der Schmuddel WG Mitbewohner und Salonkommunist anfängt sein Zimmer aufzuräumen. Denn dann steht ziemlich sicher eine Revolution ins Haus.
Und dann hilft CSU wählen auch nicht mehr!
Schlagworte: Demonstrationen
März 25, 2008 um 11:27 Uhr vormittags
Ker…endlich mal ein stichhaltiges Argument in den Haushalten:
Mutter: Räum Dein Zimmer auf
Kind: ohhhh…boahh…wieso denn?
Mutter: wegen der R-E-V-O-L-U-T-I-O-N
April 3, 2008 um 10:04 Uhr nachmittags
und ich sach nur, wenn du ein Gasspray von Mutti in der Tasche hast, so wegen Vergewaltiger und so, lass es auch zu Hause… ich sprech aus Erfahrung…