Archiv für die Kategorie ‘Bücher’

Alex Böhm, du Drecksau

April 20, 2009

Was ein Buch.

Alex Böhm, die Hauptperson in Herrn Klupps Debüt „Paradiso“ , will von Potsdam nach München, um von dort mit seiner Freundin nach Portugal zu fliegen.  Der Weg – den er mit verschiedenen Mitfahrgelegenheiten zurücklegt – führt ihn aber erstmal in seine Oberpfälzer Heimatstadt und zu einer berühmt berüchtigen Weiherfeier.

Der Leser darf teilnehmen  an diesem Trip und an den Lügen und Gedanken des hochunsymphatischen und brutalehrlichen Alex Böhm.

Um mehr zu erfahren, wer dieser Alex Böhm nun wirklich ist, hier einige Worte des Autors:

Dieses Buch ist einfach phänomenal.  Man muss es so sagen.

Lest Rammstedt!

August 24, 2008

Heute gehen die chinesischen Sommerspiele zu Ende, morgen aber kommt der Kaiser von China. Nämlich in die Buchläden.

Das neue Werk des bachmannpreisausgezeichneten aber deutschenbuchpreislonglistenabwesenden Tilmann Rammstedt.

Ich bin jedenfalls mal wieder gespannt.

Ferdi, Kasperl und ich

April 23, 2008

Am heutigen Tag möchte ich – da nun mal der Welttag des Buches ist- einem meiner Lieblingsbücher huldigen. Naja, zumindest war jenes zu huldigende Buch einmal mein Lieblingsbuch.

Ich möchte nämlich ein Buch lobpreisen, welches in einer Zeit mein Favorit war, in der ich noch nicht lesen konnte, jedoch diese Wissenslücke um Buchstaben und Satzstrukturen durch Bildergucken und Zuhören einigermaßen zu kompensieren wusste.

Dieses altgediente Lieblingsbuch, sozusagen der Ehrenvorsitzende meines persönlichen Lieblingsbuch e.V., hat mich in einer frühen Lebensphase unterhalten, in der ich passionierter Erdlochbuddler war, eine Bauarbeiterkarriere als mögliche Lebens-Perspektive gesehen hab und täglich einen Becher Hüttenkäse gierig in mich hineinschlang.

Man kann also sagen, dass mich dieses Buch während einer körperlich aktiven und kulinarisch schwierigen Zeit begleitet hat.

Dieses dauerangeguckte und endlosangehörte Bildervorlesebuch heißt „Ferdi reist mit seinem Kasperl durch die Münchner Stadt“, ist von Hans Gottanka und handelt vom Ferdi und seinem Kasperl und ihrer feinen Reise durch die Münchner Stadt. (Immerhin einmal ein Buchtitel, der handlungserklärend ist)

Ehrlicherweise habe ich keine Ahnung warum ausgerechnet dieses Buch es geschafft hat, mich mehr oder weniger regelmäßig zu beschäftigen. Aber dann auch wieder ist es mir ein Mysterium, warum ich zwanghaft die Hecke der Nachbarin untergraben musste oder warum ich abends auf kaltem Entzug war, wenn ich ohne meine Portion Hüttenkäse ins Bett gebracht wurde.

„FrmsKddMS“ ist ein feines, simples Buch und da dieses Buch leider nicht mehr verlegt wird, dacht ich mir, ich lese es am besten mal vor. Auch wenn meine Kinderbuchvorlese –Skills zu wünschen übrig lassen.

Der erste Teil, wo die Stasi und der Blasi drin vorkommen:

Und der zweite Teil, wo auch der Fonsä drin vorkommt:

Und da wir ja im Jahre WebzwoNull leben, gibts die Reise auch nachzusehen auf Google Map:


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Und noch ein Schlußsatz:

Ich danke Herrn Gottanka und Herrn Fuchshuber an diesem heutigen Welttag des Buches für dieses Buch. Es war mir eine große Freude…

Sehr verehrter BlumenbarVerlag

April 4, 2008

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Ich hab ein Buch bestellt.

Nachdem ich im neuen Verlagsprogramm des Blumenbar Verlages gesehen habe, dass eine Neuerscheinung PeterLichts in die Läden kommt, hab ich nicht lang gezögert und „Die Geschichte meiner Einschätzung am Anfang des Dritten Jahrtausends“ vor paar Tagen online bestellt.

Was macht man nun, wenn man feststellt, nachdem man nach einem weinlastigen Abend mit Kollegen nach Hause kommt und das bestellte Buch rotwein-euphorisch vorfindet, dass das bestellte Werk nicht den Vorstellungen entspricht. Was macht man, wenn man feststellt, dass das Buch eigentlich nur aus einer Geschichte besteht, die man vollständig auch auf der Seite des Bachmannpreises nachlesen kann?

Genau, man macht sich erstmal ein Toastbrot, bringt den Blutzucker in Ordnung, setzt sich dann an den Computer und schreibt eine Email an den Verlag. Eine E-Mail aus dem Moment der Enttäuschung heraus.

An: Blumenbar Verlag

Betreff: Enttäuschung am Anfang des dritten Jahrtausend

Datum:Fri, 04. Apr 2008 00:04:06

Ich bin wahnsinnig enttäuscht von euch.

Ihr bringt ein Buch heraus mit einer Geschichte, die es UMSONST gibt auf bachmannpreis.at!!!!!

Und ich bin wahnsinnig enttäuscht von mir. Weil ich einfach nur gesehen hab, dass es ein neues Buch von PeterLicht gibt , ohne nachzugucken was in dem Buch drin ist. Ich habe es einfach auf Gutdünken online bestellt. Blumenbar war ja auch noch dazu positiv belegt in meinem Buchkonsumverhalten. Deswegen: Einfach bestellen.

Aber mal ehrlich: Eine Erzählung, die es auch noch umsonst herunterzuladen gibt, verkauft ihr für 14,90 € (und nein , Einband und Gekritzel sind irrelevant)?! Das ist sehr randomhousig.

Naja. Mein Geld habt ihr nun. Aber ich bin enttäuscht. Denn diese Publikation kann man sich wirklich sparen. Blumensparen.

Gruß

Heute hat der Verlag nicht reagiert. Naja, was soll er auch schreiben…

Ich muss einfach anfangen die 30 Seiten Illustrationen des Autors mehr wertzuschätzen und mich so mit meinem Erwerb anfreunden. Und: Sollte PeterLicht mal sehr berühmt werden, dann freut mich die erste Auflage dieses Bandes sicherlich auch. Und: Es ist ein kleiner Verlag, und die sollte man ja sowieso unterstützen.

Und das letzte Und: Die Geschichte ist klasse und mit dem Leineneinband und den Illustrationen macht “ Die Geschichte meiner Einschätzung am Anfang des Dritten Jahrtausends“ ein sehr gutes Geschenk für das dritte Jahrtausend.

Mein Nackenbeißer (5)

Februar 22, 2008

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Die Woche geht zu Ende und mit ihr auch meine Lesereise zusammen mit Kazim und Sara.

Ich fasse kurz in Stichpunkten zusammen was in den letzten drei Kapiteln geschieht. Denn nur in einem stichpunktartigen Stil wird man dieser rasanten Erzählfahrt gerecht:

Kazim, der werdende Vater sorgt sich um Sara „auf eine aufdringliche Art“. Er flirtet stark.
Sara ist verwirrt und weiß nicht, ob sie das schlecht finden soll oder ob sie ihm doch einfach nur die Kleider vom Leib reißt.
Sara entscheidet sich vorerst für Ersteres
Sara erfährt dass Kazim teuren Schmuck an ein Showgirl in Las Vegas geschickt hat.
Sara denkt sich: „Genau wie mein Vater“.
Sara fröstelt.
Sara hat einen Autounfall. Das heißt sie hat einen Unfall mit einem Auto. Denn sie war mit dem Fahrrad unterwegs.
Kazim beobachtet dies von seinem Büro aus und wird hysterisch.
An der Unfallstelle ist Sara ohnmächtig und Kazim schreit rum. „Ich bin der Vater ihres Kindes“
Im Krankenhaus stellt sich heraus Sara hat einen verstauchten Knöchel. Das Kind ist wohlauf.

Kazim holt Sara zu sich nach Haus
Kazim massiert Sara.
Kazim sagt ihr, dass er ihr soviel Arbeit gegeben hat, damit sie von sich aus kündigt. Als sie dem Druck standhielt, hat dies nur bewiesen, „dass Sara die einzige Frau für ihn ist“.
Kazim küsst Sara. Hält kurt inne, sagt: „Du bist mein Schicksal Sara. Du bist vom Universum dazu erwählt worden meine Braut zu werden“
Sara erschauert.
Stürmische Umarmungen und heiße Küsse folgen. Dann reißt sich Sara von ihm fort, mit den Worten: „Nein, ich will nicht die neueste Stute in deinem Stall sein!“
Sara konfrontiert Kazim mit ihrem Wissen um den Showgirl Schmuck.
Kazim lacht auf: Der Schmuck ist für Sara! Für die Hochzeit. Die Dame in Las Vegas ist die Hochzeitsplanerin!
Sara fragt leise: „Hochzeitsplanerin?“ ( und denkt: „Schmuck?“)
Kazim präsentiert den Schmuck (warum der Schmuck nun doch bei ihm ist und nicht bei der Hochzeitsplanerin bleibt ein Rätsel).
Sara ist sprachlos.
Kazims „ Du bist meine Sara“ erwidert Sara mit „Ich glaube auch“
Beide geben sich der Leidenschaft hin und werden mitgerissen von der Welle der Lust.
Sara erlebt „den aufregendsten Augenblick ihres Lebens“
Kazim hält danach um Saras Hand an.
Sara sagt ja.
Tage später fühlt sich Sara wie in einem goldenen Käfig. Fühlt sich fremdbestimmt durch Kazim und hat Erstickungstraum.
Sara fasst den Entschluss nicht zu heiraten und zu ihrer Familie nach Wisconsin abzuhauen.
Sara schreibt die dümmste Nachricht: „Ich reise heute nach Wisconsin. Bitte folge mir nicht.“ (Dann schreib halt nicht, wo du hinfährst!“)

Kazim sieht die Nachricht und folgt ihr.(Natürlich.)
Kazim weiß, dass sie den Zug nehmen muss um nach Wisconsin zu kommen (wegen Knöchel kann sie nicht Auto fahren und sie hat Flugangst)
Kazim schafft es gerade noch so auf den vorbeifahrenden Zug auszuspringen. Wahnsinn!
Kazim findet Sara.
Sara erzählt im nochmals, dass sie nicht verhätschelter Besitz eines Mannes sein möchte.
Kazim sagt daraufhin: „Ich liebe dich, Sara“.
Saras Herz macht einen Sprung.
Beide küssen sich „mit einer Intensität, die beiden verriet, wie unglücklich sie ohne den anderen gewesen waren.“

Kazim und Sara haben zueinander gefunden. Juchee!!

Epilog:

Sara und Kazim heiraten.
Das Kind heißt Ben.

Epilog nach dem Epilog:

Ich klappte das Heftchen zu, legte es auf den Tisch und starrte verträumt aus dem Fenster.

Mein Nackenbeißer (4)

Februar 21, 2008

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Mein dritter Tag mit Sara und Kazim. Ich kann nicht mehr. Mein Leben wird zu einem Schundroman:

Heute Morgen durchströmte mich heißes Verlangen nach einem Käse-Schinken Croissant. Wie es meiner feurigen Natur entspricht, schlich ich mich daher raubtierähnlich in eine Bäckerei. Nach einer kurzen Wartezeit in der mein Körper in Flammen zu stehen schien, machte mein Herz einen Sprung, denn mein Blick traf jenen der Bäckereifachfrau. Ich hauchte „Ein Schinken Käse Croissant bitte!“ und sie fragte schüchtern „Das wär alles?“ Ich erschauerte bis ins Innerste und bejahte.

Der dem Kauf folgende Biss in dieses Gebäck entfachte ein Feuerwerk der Sinne und ich fand tiefe Befriedigung in diesem Croissant. Frisch gestärkt machte ich mich weiter auf den Weg in die Arbeit. Als ich eine breite Strasse überquerte, schlug mein Herz ganz wild beim Anblick des grünen Ampelmännchens.

Im Büro angekommen – noch immer benommen von den Eindrücken - war es schwierig klare Gedanken zu fassen. Mich fröstelte ein wenig.

Mit flehendem Blick sah ich stündlich auf die Uhr. Stündlich erstarrte ich erneut vor Entsetzen und mein Blut erstarrte auch: nämlich zu Eis. Diese Zeiger! Diese verdammten Zeiger!, dachte ich mir und Tränen stiegen mir in die Augen. Und der Minutenzeiger schlich quälend langsam weiter. Ich hatte mich noch nie so hilflos gefühlt.

Kurz nach 15 Uhr war es dann soweit: Ich starb innerlich und äußerlich vor Sehnsucht nach dem Feierabend.

————

Genug von meinem Tag. Hier geht’s ja nicht um mich. Was passiert bei Sara und Kazim?

Sara ist schwanger. Sie will Kazim damit konfrontieren, traut sich aber zuerst nicht. Doch dann besucht sie ihn auf seiner Ranch, wo er ihr auf einem wilden Pferd entgegenreitet. (Ein Pferd hat der Geschichte in der Tat noch gefehlt!). Wie immer schaut Kazim, der mit verschwitztem nacktem Oberkörper auf dem Pferd sitzt, sehr sexy aus. Sara will ihn berühren.

Paar Minuten später enthüllt Sara ihre Schwangerschaft, worauf Kazim pragmatisch mit „ Du wirst meine Frau“ reagiert. Dies will aber Sara nicht, denn sie will einen Mann der sie liebt. Sonst macht sie doch nur den gleichen Fehler wie ihre Mutter, die aus Vernunft den Mann ihres Kindes geheiratet hatte, obwohl sie wusste, dass er ein Frauenheld war. Und die Ehe wurde zur Hölle.

Und wie schaut es nun aus mit Kazims Liebe? Kazim ist ein wahrer Härtefall, denn eine „harte Schale hatte sich um sein Herz geformt.“ Aber er will Sara als seine Frau und wenn er sie bändigen muss, wie eine seiner Stuten.

Auch erkennt Kazim, dass sich seine Vergangenheit – denn auch sein Vater hat seiner Mutter das Leben zur Hölle gemacht – in Saras trauriger Familiengeschichte widerspiegelt. Kazim sieht Sara als sein Schicksal.

Ich sehe dieses Buch als mein Schicksal.

Eine letzte leidenschaftliche Fortsetzung folgt …

Mein Nackenbeißer (3)

Februar 20, 2008

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Mein zweiter Tag mit Sara und Kazim und ich schlafe äußerst unruhig. Ich glaube, vielleicht sollte ich das Buch nicht mehr abends kurz vorm Bett gehen lesen.

Denn was ich lese, beschäftigt mich anscheinend nachts:

Kazim und Sara kommen sich auf der Geschäftsreise selbstverständlich näher: Sie sitzen nebeneinander im Flugzeug. Und da Sara vor Flugangst panikt, klammert sie sich an Kazim fest, der wiederum ganz Beschützer ist und sie im Arm hält. Dies hat zur Folge, dass beide bis oben hin erregt sind. Nach einem Zwischenstopp auf einer Bohrinsel, geht es wieder zurück im Flieger und spätestens jetzt scheint Saras Körper „in Flammen zu stehen“. Bei Kazim schaut es so aus, dass er den Tag hindurch ab und zu Erektionen hat. Dies wird im Buch übrigens nie explizit so genannt, sondern immer nur angedeutet durch Sätze wie: „… er war froh, dass die Dunkelheit den Beweis seines Verlangens verbarg.“

Ich war an diesem Moment froh, dass wir schon in Kapitel 4 waren.

Weiter im Text:

Der Flieger ist gelandet und Kazim und Sara sind hungrig von der Reise. Man beschließt etwas zu essen. Aber nicht in einem Restaurant! Nein, Kazim holt Take-away und fährt mit Sara in die Berge! Zum Picknicken! Bei Lagerfeuer!

Beim Essen kommen sich die beiden menschlich näher, in dem Kazim von seiner Kindheit erzählt: Vater war Despot, Kazim musste früh seine Heimat verlassen, weit weg von seiner Mutter. Und just als Sara erkennt, dass „Kazims Einsamkeit ein Schmerz war, den er womöglich nie überwinden würde“, beugt sich jener über sie und verschließt ihren Mund mit einem heißen Kuss. (Endlich, denkt man sich)

Satz um Satz geht’s nun Richtung ersten Höhepunkt, nicht ohne diese Liebesszene ohne irgendeinen ersichtlichen Grund durch einen Kapitelwechsel zu teilen. Was in Kapitel 4 begann, wird in Kapitel 5 vollendet.

Kapitel 5 beschreibt Kazim als einen wundervollen Liebhaber. Sara findet sogar, er sehe aus „wie ein Gott, der sich auf die Erde verirrt hat.“ Der verirrte Gott Kazim stöhnt noch ein „Ich habe noch keine Frau so begehrt wie dich“ und schon ist Sara am Höhepunkt angelangt. Ein Höhepunkt, „der alles übertraf, was sie je erlebt hatte“. (Das war absehbar. Alles andere wäre auch enttäuschend gewesen.)

Nicht absehbar ist hingegen das traurige Ende des fünften Kapitels. Schon die Heimfahrt vom Berg war eher beklemmend als beschwingt. Es herrscht Funkstille und als Sara daheim ist fühlt sie sich „wie Eva, aus dem Paradies verbannt, weil sie der Versuchung nicht hat widerstehen können.“

Die Verbannung aus dem „Paradies Kazim“ hält an. Erst ist Kazim einige Tage verschwunden und als er wieder zurück ist, gibt er ihr zu verstehen, dass die Ereignisse dieser Nacht nicht mehr erwähnt werden sollen. (Was für ein Schwein, denk ich mir und möchte das Buch an die Wand pfeffern. Doch ich lese weiter.)

Sara stürzt sich traurig und enttäuscht in die Arbeit, denn Kazim überschüttet sie nun mit Aufgaben und Verantwortungen, in der leisen Hoffnung sie möge von sich aus kündigen. Aber Sara kündigt nicht, sondern verzichtet lieber auf Schlaf. Während Sara an der Seelenverwandschaft, die sie in dieser Nacht spürte, zweifelt, gesteht sich Kazim ein, dass Sara „irgendetwas in ihm berührt hat“.

Mich berührt diese Geschichte auch.

Damit endet das fünfte Kapitel.

Leidenschaftliche Fortsetzung folgt….

Mein Nackenbeißer (2)

Februar 19, 2008

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Jennifer Lewis will gar nicht, dass sich der Leser langsam in die Geschichte hineinliest. Nein, mit dem ersten Satz ist man sofort mittendrin : „Ich will das sie verschwindet“.

Der, der das sagt, ist Kazim Al Mansur, ein Mann „gebaut wie ein Zehnkämpfer“, ein Öl-Millionär und Arbeitstier, der „mit geschmeidigen raubtierähnlichen Schritten“ durch seine Firma streift und mit seinen dunklen Augen „in das tiefste Innere“, ja sogar „bis in die Seele“ der Frauen schauen kann. Jedenfalls, so scheint es.

Die, die verschwinden soll, heißt Sara. Sara Daly. Unverheiratet, 25 Jahre alt, eine „schlichte Schönheit“ mit einem „hübschen kleinen Po“, die ihre Abschlussarbeit über das Profitpotential alternativer Bergbautechnologien geschrieben hat. Hochverschuldet vom Studium hat Sara nun bei Al Mansurs Ölfirma in der Wüste Nevadas angeheuert und sieht in der Chefassistentenstelle die große Chance ihre Karriere voranzutreiben. Dieser Job „war die Antwort auf all ihre Gebete“.

Und jetzt muss man sich mal in Miss Daly hineinversetzen, die zufällig gleich am ersten Tag ihren Chef belauscht, wie er der Personalerin eben jenen Satz entgegenschmettert und ausführt, dass er doch eine grauhaarige Assistentin wollte. Denn die letzten Assistentinnen haben sich – allesamt junge Dinger – in den Chef verliebt und vorbei war’s mit der effektiven Arbeit. Daher die Idee der verheirateten älteren Dame als Assistentin.

Aber Sara, wäre nicht Sara, wenn sie nicht um den Job kämpfen würde. Denn schließlich kann sie ja nichts dafür, dasss sie nicht grauhaarig ist.

Und der Chef – beeindruckt von ihrem Mut und ihrer Entschiedenheit – gibt ihr dann doch noch eine Chance. Sie hat einen Monat zu beweisen, dass sie sich auf die Arbeit konzentrieren kann. Und Sara beschließt die beste Assistentin zu werden.

Hier war ich schon völlig in der Story. Ich las weiter:

Sara macht natürlich ihren Job besser als gut. Sie ölt Kazims Schreibtischstuhl, redigiert die Reden des Chefs, macht einen wunderbar starken Kaffee und führt Verkaufsgespräche mit Kunden.

Aber, wie soll es anders auch sein. Sara fühlt sich natürlich von diesem Beau von Mann angezogen. Es ist auch schwierig ständig in der Nähe eines Mannes zu sein dessen Mund „eine einzige Herausforderung für jede heißblütige junge Frau ist“. Sara begehrt Kazim. Ganz dolle.

Auch Kazim, der Womanizer, hat Gefühle für Sara, die er sich aber noch nicht eingesteht.

Naja. Einen Tag vor einem gemeinsamen Flug zu einem Bohrfeld mit seiner Assistentin, beobachtet er Sara bei einem Kundengespräch und beim Anblick der „Rundung ihres festen Pos“ beginnt sein Körper „verräterisch zu reagieren“. Oha. Zuerst schiebt er die Schuld auf ihr Kostüm, doch dann merkt er: „Das Problem war nicht das Kostüm, sondern er“.

Wow.

Damit endet das zweite Kapitel und die Charaktere sind eingeführt. Meine Nackenbeisser-Lesereise hat gerade erst begonnen.

Leidenschaftliche Fortsetzung folgt …

Mein Nackenbeißer

Februar 18, 2008

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Heute habe ich auf dem Weg nach Hause einen Lektürestopp im S-Bahnhof Kiosk gemacht. Zielstrebig bin ich zu dem Drehständer mit den Romanheftchen gegangen. Einem Drehständer gefüllt mit Geschichten über Julias, Tiffanys und Biancas. Einem Drehständer gefüllt mit echten Gefühlen, mitreißender Leidenschaft, Liebe und starken Helden.

Kurzum: Ein Drehständer mit meiner Lektüre für die nächsten Tage.

Die Wahl fiel auf Jennifer Lewis’ „Leidenschaft zum Dessert“. Der Klappentext beginnt folgendermaßen: „Wichtig ist nur das Geschäft und Liebe hat im Job nichts zu suchen. Diese Einstellung teilt Sara mit ihrem Chef, dem faszinierend exotischen Öl-Millionär Kazim Al Mansur. Wie konnte es bloß dazu kommen, dass ihr harmloses Picknick in der Wüste mit einer leidenschaftlichen Umarmung endete?…

Sarah!! Kazim Al Mansur!! Öl Millionär!! Picknick in der Wüste!!

Mehr musste ich nicht mehr lesen, um meine unwiderrufliche Kaufentscheidung zu treffen. Ich kramte 2,40 Euro aus meiner Tasche und legte das Geld auf den Tresen. Natürlich mit einem Blick, der dem Kiosk-Besitzer zu verstehen geben sollte, dass dieser Roman für meine Tante ist, die ich im Krankenhaus besuchen werde. (Im Übrigen ist dieser Blick verwandt mit dem „Diese Pornozeitschrift ist für meinen Onkel, den ich im Krankenhaus besuchen werde“ -Blick)

Nachdem ich nun Leidenschaft zum Dessert hatte, brauchte ich noch einen Wein zum Abendessen und ging Richtung Supermarkt.

Ich werde in den nächsten Tagen meine Reise in die Welt der großen Gefühle hier veröffentlichen. Inspiriert durch das ähnlich literarisch fordernde Projekt „Herr Schmidt liest Proust“ gibt es hier nun „Sprutz liest Nackenbeißer“.

Ich mache mir jetzt erstmal ein Fußbad, hol mir einen großen Becher Eis, leg Sade in den CD Spieler und erhole mich von meinem harten Arbeitstag, in dem ich der Heldin Sara auf ihrer Tour de Passion folgen werde.

Leidenschaftliche Fortsetzung folgt …

 

Ode an Juan Moreno

Januar 30, 2008

So. Nachdem ich ja den Anspruch habe hochaktuell zu sein, möchte ich nun einen Artikel posten, den ich am Freitag in der SZ gelesen habe. Der Schreiberling ist Juan Moreno, der doch endlich wieder eine Kolumne in der SZ bekommen sollte. Meine Samstagmorgende waren schöner mit ihm und seinen Geschichten:

Teuer: Nachts ein Taxi nehmen

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Wenigstens in Berlin gibt es einige Grundregeln beim Taxifahren in der Nacht, vor allem wenn man gerade einen netten Abend hatte und in Begleitung im Taxi nach Hause möchte. Der schlimmste Satz, den man in einem Berliner Taxi sagen kann, lautet: „Einmal Kurzstrecke, bitte“. Kurzstrecke heißt, dass der man drei Euro verdienen wird. Der schlimmste Satz lautet also nicht „Sie haben Essensreste am Mund!“ oder „Bei Ihnen im Wagen riecht es nach Pumakacke“, nein, es ist das mit der Kurzstrecke. Man möchte nicht von 90 Kilo Hass nach Hause gefahren werden, also sollte man das lassen. Eine andere Sache ist: Keine Witze. In Berlin machen in den Taxen nur Taxifahrer Witze. Zum Beispiel, wenn sie ausländische Touristen, von Friedrichshain nach Steglitz über Tegel fahren. Wirklich, finden Taxifahrer sehr lustig.

Der dritte Rat: Spreeradio tolerieren. Taxifahrer hören Spreeradio. Spreeradio ist leicht zu beschreiben. Wenn es eine Maschine gäbe, die aus Hundekot, alten Urinalen und diesen kleinen Fusseln, die sich manchmal im Bauchnabel finden, wenn man aus all dem Schallwellen machen würde, so klingt Spreeradio. Man sollte es hinnehmen. Es wäre leichter, 1000 Taxifahrer zu finden, die bereit sind, für Spreeradio in den Krieg zu ziehen, als für die freiheitlich-demokratische Grundordnung. Ansonsten ist eine nächtliche Taxifahrt eine sehr angenehme Sache.

Billig: Nachtbus fahren

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Der Berliner Nachtbus ist eine Problemzone der Nacht. Beleuchtungsmäßig betrachtet. Man kann einen noch so romantischen Abend geplant haben, seine Begleitung noch so geduldig ausreden lassen, auch wenn die Antworten lang wie kenianische Giraffenhälse waren, man kann einen noch so putzigen Kuschelitaliener gesucht haben, bei dem die Kellner auch alle fein so sprechen, als hätten sie es bei Trapattoni gelernt – man kann alles tun, und der Nachtbus ruiniert es doch. Der Nachtbus ist die Fratze des Ausgehens, die Visage des Dates, der Roland Koch gelungener Abende. Es ist das Licht. Das Licht in einem Berliner Nachtbus unterscheidet sich in keiner Weise von dem in einer deutschen Leichenhalle. Nach zwei Stunden Abendessen, einer Stunde tanzen und einer ambitionierten Flasche Barolo hat man in so einem Bus die Gesichtsfarbe eines neuen Waschbeckens.

Es hat einen Grund warum Liebende Kerzen auf den Tisch stellen, wenn sie miteinander Essen. Das mit den Gefühlen ist oft leichter, wenn man das Gegenüber nicht so genau sieht. Schönes Licht verklärt, schönes Licht ist ein Freund. Nachtbusse sind keine Freunde. Da regiert Neon. Die Wahrheit, das Sein. Im Nachtbus sieht man aus, wie man eben aussieht – machen wir uns nichts vor, gerade bei Männern sind das schlechte Voraussetzungen auf dem Weg zum Partnerglück. (von Juan Moreno, SZ 25.01.2008)