Ode an Juan Moreno

So. Nachdem ich ja den Anspruch habe hochaktuell zu sein, möchte ich nun einen Artikel posten, den ich am Freitag in der SZ gelesen habe. Der Schreiberling ist Juan Moreno, der doch endlich wieder eine Kolumne in der SZ bekommen sollte. Meine Samstagmorgende waren schöner mit ihm und seinen Geschichten:

Teuer: Nachts ein Taxi nehmen

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Wenigstens in Berlin gibt es einige Grundregeln beim Taxifahren in der Nacht, vor allem wenn man gerade einen netten Abend hatte und in Begleitung im Taxi nach Hause möchte. Der schlimmste Satz, den man in einem Berliner Taxi sagen kann, lautet: „Einmal Kurzstrecke, bitte“. Kurzstrecke heißt, dass der man drei Euro verdienen wird. Der schlimmste Satz lautet also nicht „Sie haben Essensreste am Mund!“ oder „Bei Ihnen im Wagen riecht es nach Pumakacke“, nein, es ist das mit der Kurzstrecke. Man möchte nicht von 90 Kilo Hass nach Hause gefahren werden, also sollte man das lassen. Eine andere Sache ist: Keine Witze. In Berlin machen in den Taxen nur Taxifahrer Witze. Zum Beispiel, wenn sie ausländische Touristen, von Friedrichshain nach Steglitz über Tegel fahren. Wirklich, finden Taxifahrer sehr lustig.

Der dritte Rat: Spreeradio tolerieren. Taxifahrer hören Spreeradio. Spreeradio ist leicht zu beschreiben. Wenn es eine Maschine gäbe, die aus Hundekot, alten Urinalen und diesen kleinen Fusseln, die sich manchmal im Bauchnabel finden, wenn man aus all dem Schallwellen machen würde, so klingt Spreeradio. Man sollte es hinnehmen. Es wäre leichter, 1000 Taxifahrer zu finden, die bereit sind, für Spreeradio in den Krieg zu ziehen, als für die freiheitlich-demokratische Grundordnung. Ansonsten ist eine nächtliche Taxifahrt eine sehr angenehme Sache.

Billig: Nachtbus fahren

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Der Berliner Nachtbus ist eine Problemzone der Nacht. Beleuchtungsmäßig betrachtet. Man kann einen noch so romantischen Abend geplant haben, seine Begleitung noch so geduldig ausreden lassen, auch wenn die Antworten lang wie kenianische Giraffenhälse waren, man kann einen noch so putzigen Kuschelitaliener gesucht haben, bei dem die Kellner auch alle fein so sprechen, als hätten sie es bei Trapattoni gelernt – man kann alles tun, und der Nachtbus ruiniert es doch. Der Nachtbus ist die Fratze des Ausgehens, die Visage des Dates, der Roland Koch gelungener Abende. Es ist das Licht. Das Licht in einem Berliner Nachtbus unterscheidet sich in keiner Weise von dem in einer deutschen Leichenhalle. Nach zwei Stunden Abendessen, einer Stunde tanzen und einer ambitionierten Flasche Barolo hat man in so einem Bus die Gesichtsfarbe eines neuen Waschbeckens.

Es hat einen Grund warum Liebende Kerzen auf den Tisch stellen, wenn sie miteinander Essen. Das mit den Gefühlen ist oft leichter, wenn man das Gegenüber nicht so genau sieht. Schönes Licht verklärt, schönes Licht ist ein Freund. Nachtbusse sind keine Freunde. Da regiert Neon. Die Wahrheit, das Sein. Im Nachtbus sieht man aus, wie man eben aussieht – machen wir uns nichts vor, gerade bei Männern sind das schlechte Voraussetzungen auf dem Weg zum Partnerglück. (von Juan Moreno, SZ 25.01.2008)

 

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4 Antworten to “Ode an Juan Moreno”

  1. david Says:

    juan moreno ist jetzt beim spiegel. die sz war blöd genug diesen autor gehen zu lassen!!!!!

  2. sprutz Says:

    Wusst ich gar ned. Immerhin ist er jetzt wieder wo. Hauptsache der Mann schreibt. Und solang die SZ den Herrn Prantl ned gehen lässt, is ja alles noch irgendwie gut.

  3. harrygambler2009 Says:

    Das Problem der Nachtfahrer in Berlin heute ist nicht die Kurzstrecke, sondern dass ab dem Oktober 2008 unsere Einnhamen sich um 30 – 40 % reduziert haben, eine direkte Folge der Krise. Die ersten Kollegen geben auf oder wenn sie selbstständig waren, gehen sie in die Insolvenz.
    Auf Juan Moreno bin im Speigel vom 20/09 gestoßen, als er einen Artikel über Cornelia Fröhner geschrieben hat, es geht am Ende um eine Petition.
    Wer den Petitionsausschuss im Bundestga kennt weiß, der Mann hat Illusionen. Vielleicht wird Frau Fröhner Antwort bekomen, in einem oder in zwei jahren. Die Antwort wird so sein, dass sie nicht im bezug zu ihrer Petition steht.
    Ich habe gegen Frau Naumann vom Petitionsausschuss Strafanzeige erstattet.
    Ich will den Hintergrund mit eingen Worten kurz erklären, Frau Naumann und iht Ausschuss bearbeiten keine Petitionen, das macht ein Petitionsausschussdienst, den der Petitionsausschuss beauftragt, Quasi ein Subunternehmer und die Antworten kann man in die Mülltonne werfen.
    Auf der OlineZeitung24 und meinem Blog werde ich in 2 – 3 Monaten meine Erfahrungen mit aus drei Jahren Petitionsauschuss zusammenstellen. Ein Bild der „Ossifizierung“ unserer Demokratie.

  4. Julia Christ Says:

    Kaum einer schreibt zärtlich-bissiger über Berlin als Juan Moreno. Bei aller Bewunderung bin ich aber erleichtert in einem Interview mit ihm zu lesen, dass er sich selbst als langsamen Schreiber bezeichnet. Dort gibt er auch zu, dass er natürlich auch schnell schreiben könne, dass dann aber die Texte schlechter würden. Sehr sympathisch, diese Ehrlichkeit. Überhaupt ein interessantes Interview für alle, die seine Kolumnen lieben: http://www.andreavollmer.de/fileadmin/Fotos/Einzelbilder/Interview_Juan_Moreno.pdf

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